Vortrag zum Umgang mit hochbegabten Kindern


Die gute Nachricht vorweg: Etwa 85 Prozent der hochbegabten Kinder In Schleswig-Holstein kommen mit ihrem Talent gut durch den Alltag. Sie passen sich an oder suchen sich Felder, die sie mit anderen Kindern teilen können, z.B. Musik oder Sport. 15 Prozent der Kinder haben jedoch Probleme. Schulkinder, ob hochbegabt oder nicht, mögen es nicht, unterfordert zu sein. Sie suchen Ablenkung, schalten ab, verweigern die Arbeit oder haben Selbstzweifel. Sind Kinder allerdings dauerhaft unterfordert, kann es passieren, dass sie depressiv werden, ein schlechtes Selbstvertrauen entwickeln, sich sozial zurückziehen, antriebslos werden und letztlich auch gravierende Wissenslücken bekommen. Während Jungen, die unterfordert sind, eher den Klassenclown geben oder mit Zorn und Aggression reagieren, ziehen Mädchen sich eher zurück und werden hoffnungslos und traurig.
Was kann man tun, um diese Folgen der Unterforderung zu vermeiden? Ganz klar: Begabte sollten gefördert werden. Eine Möglichkeit ist die Akzeleration, d.h. die Beschleunigung des Lernstoffes durch Überspringen einer Jahrgangsstufe oder ein Frühstudium. Eine zweite Möglichkeit besteht in der Anreicherung (Enrichment), d.h. die Teilnahme an Wettbewerben, Zusatzkursen oder JuniorAkademien. In der Schule selbst können Schüler am „Drehtürmodell“ teilnehmen oder Alternativaufgaben erhalten. Die dritte Option ist das Compacting, das Erfassen des Leistungsstandes am Anfang einer Arbeitsphase, um die eingesparte Beschäftigungszeit für sinnvolle Alternativen zu nutzen. Dabei ist wichtig, dass die Hochbegabten nicht dazu angehalten werden, Defizite auszugleichen, z.B. die Handschrift zu verbessern, sondern Fördermaßnahmen erhalten, die sie wirklich fordern.
Wie kann ich erkennen, ob mein Kind hochbegabt ist? Thon nennt drei Merkmale: Hochbegabte Kinder stellen viele Fragen, schlafen wenig und lesen gut. Zudem kann man eine Testung durchführen lassen (Intelligenzdiagnostik), die jedoch ca. 500-800 Euro kostet. Thon erklärt, dass mit der Diagnose allein dem Kind allerdings nicht geholfen sei, wenn sich die Rahmenbedingungen in Schule und Familie nicht änderten. Diese Diagnose sei oft überflüssig. Es komme vielmehr darauf an, zu erkennen, dass das Kind spezielle Bedürfnisse habe. Da unter- und überforderte Kinder sehr ähnlich in der Schule agierten, sei es manchmal schwer, die Hochbegabung zu erkennen. Schwächen wie Linkshändigkeit, Lese-/Rechtschreibschwäche, Weitwinkel-Fehlsichtigkeit etc. könnten dazu führen, dass ein Kind nicht als hochbegabt wahrgenommen wird. Gerade im Bereich der Hochintelligenz (ab einem IQ von 130) seien die Talente sehr heterogen. Sprich: Was für den einen Hochintelligenten passt, muss noch lange nicht bei dem anderen funktionieren. Wichtig sei, dass alle Beteiligten sich Zeit nähmen, ein Kind genau anzuschauen.
Eltern sollten sich nicht scheuen, mit den Lehrern ihrer Kinder über eine vermutete Hochbegabung zu sprechen, auch wenn man das Gefühl hat, das käme „komisch rüber“. Für Gespräche stehen gern auch begleitend Jochen Frese und die Mitglieder der Schulleitung zur Verfügung.
Was kann ich tun, wenn mein Kind Lernprobleme hat? Kinder mit einer hohen Auffassungsgabe haben häufig nicht gelernt zu lernen. In den Grundschulen sind sie mit dem Pensum problemlos klar gekommen, Lernstrategien wurden nicht entwickelt. In den höheren Klassen kann es dann zu Defiziten kommen, insbesondere, wenn das Kind sich wegen der Unterforderung „weggeträumt“ hat. Eltern könnten da laut Thon selten helfen. Sinnvoll sei es, sich an einen Lerncoach zu wenden, der mit dem Kind in 6-8 Sitzungen erarbeitet, wie es sinnvoll lernen kann.
Welche zusätzlichen Beratungsmöglichkeiten habe ich?
Die DGhK Diese berät telefonisch, hat ausgebildete Beratungslehrkräfte, die auch an die Schulen kommen und kann Fördermöglichkeiten aufzeigen.
Fon: 0431-68 63 72
Web: www.dghk-sh.info
Literaturtipp: Joelle Huser: Lichtblick für helle Köpfe, Lehrmittelverlag Zürich 2000